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Webdesign und Usability Design

Millionen von Homepagebastlern machen es jeden Tag vor: Um eine Website zu designen, muss man kein Webdesigner sein. Stimmt. Dann muss man auch kein Chirurg sein, um eine Operation durchzuführen, oder? Aber das ist doch etwas ganz anderes! Richtig. Webdesign ist nicht gleich Webdesign.

Die meisten Websites werden im Browser in Form einer grafischen Benutzeroberfläche (engl.: GUI = Graphical User Interface) dargestellt. Diese soll dem Nutzer eine verständliche und komfortable Bedienung der Website ermöglichen. Die Gestaltung einer Website hat also direkten Einfluss auf deren Gebrauchsqualität.

Eine gut zu bedienende Website lässt sich am besten entwickeln, wenn man deren Nutzer in den Mittelpunkt des Designprozesses stellt. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom nutzerzentrierten Design (engl.: User Centered Design). Damit dieses bestmöglich umgesetzt werden kann, sollte bekannt sein,

  • welche Menschen die Website später nutzen werden (Zielpublikum),
  • welche relevanten Eigenschaften diese Menschen kennzeichnen, z.B. Interneterfahrung, Alter, Bildung,
  • welche Wünsche sie an die Website haben, wie kurze Ladezeiten, Hilfefunktionen, Orientierungs- und Navigationsmöglichkeiten und
  • welche Aufgaben mit der Website erledigt werden sollen, z.B. bestimmte Informationen finden oder Kontakt aufnehmen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Psychologie und Neurophysiologie helfen, das Design bestmöglich an den Menschen – und seine Fähigkeiten zur Informationsverarbeitung – anzupassen. Das Wissen um die menschliche Wahrnehmung spielt bei der Gestaltung eine zentrale Rolle. Je stärker sich das Design an dieser orientiert, desto höher ist in der Regel der Nutzungskomfort einer Website.

Auch mentale Modelle haben einen großen Einfluss auf die Bedienbarkeit einer Website. Mentale Modelle entstehen aufgrund von Erfahrungswerten mit einem bestimmten System und werden im Gedächtnis verankert. Jeder Mensch verfügt über eine Vielzahl mentaler Modelle. Diese ermöglichen ihm, seine Erfahrungswerte mit einem System auf ein anderes System zu übertragen, ohne einen neuen Lernprozess durchlaufen zu müssen. So versetzt das mentale Modell einer Website die meisten Internetnutzer in die Lage, unterstrichene Wörter auf Anhieb als Links zu erkennen. Je mehr die Website sich an mentalen Modellen orientiert, desto schneller kann ihre Bedienung verstanden werden.

Um maximale Usability zu gewährleisten, können projektbegleitende Usability-Tests durchgeführt werden. So können Usability-Probleme bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt und behoben werden. Alternativ oder zusätzlich kann auch ein Usability-Berater in das Projekt einbezogen werden. Dieser entwickelt die Website von Beginn an hinsichtlich ihrer Gebrauchsqualität mit und arbeitet »usability-koordinierend« mit den einzelnen Produktionsbereichen zusammen.

Für die praktische Arbeit bedeutet das, dass nicht nur das Corporate Design des Unternehmens, sondern eine Vielzahl weiterer Faktoren zu berücksichtigen sind. Die Kreativität eines Webdesigners besteht oft weniger aus künstlerischer Freiheit, sondern mehr aus Einfallsreichtum, um alle relevanten Faktoren auf einen bestmöglichen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das ist Webdesign. In dieser Form wird es auch als Usability Design bezeichnet und ist Bestandteil des Usability Engineerings, der gezielten Entwicklung von Usability.

Und auch das ist Webdesign:
Frei nach dem Motto »Ich bin Webdesigner« werden Buttons, Farben und Bilder lustig durcheinander gewürfelt und wilde typografische Experimente veranstaltet. Das Ganze wird noch mit einem animierten E-Mail-Symbol, ein paar Werbebannern und einem fetten Besucherzähler abgerundet – und schon ist man stolzer Besitzer einer Homepage. Dank eines tollen Programms zur Webseitenerstellung hat das noch nicht mal einen Tag gedauert.

Fazit

Zwischen Webdesign und Webdesign liegen Welten. Während für den privaten Homepage-Betreiber eher Spaß und die Lust am Experimentieren im Vordergrund stehen, verfolgt ein Unternehmen mit seinem Webangebot dagegen sehr konkrete Ziele. Diese Ziele lassen sich umso besser erreichen, je höher das Qualitätsniveau der Firmen-Website ist. Eine durchdachte und ergonomische Gestaltung der Website trägt maßgeblich dazu bei.

Veröffentlichung: 08/2002
Silvana Borsutzky

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