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Web Usability – Back to the Roots

Das heutige Verständnis von Web Usability wurde von einer Vielzahl von Einflüssen geprägt, deren Wurzeln bis in die frühen 1980er Jahre zurückreichen: eine spannende Reise durch zwei Jahrzehnte.

Bereits vor mehr als 20 Jahren begann sich die Software-Ergonomie für die Verbesserung der Mensch-Computer-Interaktion (HCI = Human-Computer-Interaction) einzusetzen. Ihr Ziel ist die Anpassung von Software an die psychischen Eigenschaften der damit arbeitenden Menschen. Neben Informatik finden hier insbesondere Forschungsergebnisse aus den Bereichen der menschlichen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung Anwendung.

Vor etwa zehn Jahren sprach die ISO, die Internationale Organisation für Standards, ergonomische Empfehlungen für »Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten« aus: Die ISO 9241 war geboren. Ihr wohl prominentester Teil sind die »Grundsätze der Dialoggestaltung« (ISO 9241-10), die bis heute Anwendung finden. Diese behandeln die ergonomische Gestaltung von Software und beschreiben allgemeine ergonomische Grundsätze. Auch hier bestimmten die Belange des am Bildschirm arbeitenden Menschen die ergonomischen Anforderungen dieser Norm.

Zu dieser Zeit steckte das kommerzielle World Wide Web, wie wir es heute kennen, noch in den Kinderschuhen. Von ergonomischen Webseiten war man damals weit entfernt – und ist es teilweise noch bis heute. Während sich das WWW zur multimedialen Konfettikanone entwickelte und Millionen von Unternehmen Millionen an Lehrgeld bezahlten, hatte man im Bereich der Software-Entwicklung Usability als Wettbewerbsvorteil bereits erkannt. In der Folge entwickelte sich das Usability Engineering, dessen Aufgabe in der Definition, Messung und Verbesserung der Usability von Software-Produkten besteht. Zwar erhöhte das die Entwicklungskosten, aber ebenso die Anzahl der zufriedenen Benutzer und damit die Absatzzahlen.

Auch bei der Entwicklung von Webseiten wird heutzutage verstärkt auf Usability Engineering gesetzt. Je nach Stellenwert der Internet-Präsenz beträgt der Anteil für Usability-Maßnahmen zwischen fünf bis 25 Prozent am Gesamtetat für den Webauftritt.

Absatzzahlen und Kommerz hatte der amerikanische Usability-Pionier Jakob Nielsen damals weniger im Sinn, als er sich als User Advocate (Anwalt des Users) bezeichnete. Bereits seit den 1980er Jahren gibt er regelmäßig Publikationen zur Usability von Software und Webseiten heraus und trägt damit erheblich zur Popularität des Themas bei – nicht zuletzt durch seine teilweise sehr umstrittenen Thesen, die immer wieder für Diskussionen in der interessierten Öffentlichkeit sorgen.

Eher still agiert dagegen das im Oktober 1994 gegründete World Wide Web Consortium (W3C), einer der mächtigsten Faktoren für die Evolution des Web. Seine Hauptaufgabe besteht in der Entwicklung technischer Grundlagen und Web-Standards. Seine am Internetnutzer ausgerichteten Ziele hat das W3C in sieben Punkten zusammengefasst. So setzt es sich beispielsweise für universelle Zugangsmöglichkeiten unabhängig von bestimmter Hard- oder Software ein, für ein interaktiveres, vertrauenswürdiges Web ("Web of Trust") oder für attraktiveres Multimedia.

Die oben genannten Einflussgrößen haben wesentlich zur Weiterentwicklung der Web Usability beigetragen. Insbesondere die Evolution der Software-Ergonomie hat das heutige Usability-Verständnis maßgeblich geprägt. Viele Internetnutzer können auf einen positiven Erfahrungsschatz mit Software-Produkten zurückgreifen und stellen an die Gebrauchsqualität von Webseiten entsprechend hohe Ansprüche. Wer mit seinem Webangebot die Akzeptanz des Zielpublikums gewinnen möchte, wird sich der Usability-Thematik auf Dauer nicht entziehen können.

Veröffentlichung: 08/2002
Silvana Borsutzky

Web Usability – Back to the Roots
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