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Mousetracking & Eyetracking

Ein Blick, ein Klick: Erst gucken, dann klicken.

scoreberlin hat ein einzigartiges Usability-Verfahren zur Analyse der Aufmerksamkeit entwickelt, das umfassenden Einblick in die Informationsverarbeitung und das Verhalten von Nutzern gewährleistet. Das Verfahren eignet sich hauptsächlich zur Design- und Prozessoptimierung, da es in der Lage ist, Kausalketten aufzuspüren, die zu Nutzer-Abbrüchen führen können.

Von Screenreadern und Braillezeilen mal abgesehen: Geklickt wird nur, was auch gesehen wurde. Oft taucht aber die Frage auf: Gibt es eine signifikante Korrelation zwischen Maus- und Augenbewegung? Die Antwort ist jein. Zwar erfährt die Maus als wichtige Schnittstelle zwischen Mensch und Anwendung enorme Bedeutung. Mausaktivität ist auf Websites jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt wie das Blickverhalten. Dies liegt hauptsächlich in der Tatsache begründet, dass die Mausbewegung der Informationsverarbeitung nachgelagert ist: erst sehen, dann klicken.

Wann bewegt sich die Maus wohin?

Während des Informationsverarbeitungsprozesses, beim Scannen und Lesen, in Phasen schwebender Aufmerksamkeit verharrt die Maus häufig in Ruheposition, nicht selten im rechten Drittel des Browserfensters (außerhalb des Aufmerksamkeitsfokus', nahe am Scrollbalken). Anders verhält es sich in Phasen der Klickentscheidung: Je stärker klickbare Elemente in den Aufmerksamkeitsfokus geraten, umso kürzer verharrt die Maus im Ruhemodus. Im Übergang von schwebender zu selektiver Aufmerksamkeit bewegt sich die träge Maus häufig asynchron zu den fixen Blickpositionen. Und je fokussierter die Aufmerksamkeit auf (scheinbar) klickbaren Elementen verweilt, umso wahrscheinlicher wird die Maus ebenfalls dorthin bewegt.

Zusammenfassend kann man die eingangs gestellte Frage beantworten: Die Beziehung zwischen Augen- und Mausbewegung ist fundamental. Daher ergibt die methodische, oft aufgeworfene Gegenüberstellung »Eyetracking vs. Mousetracking« für uns gar keinen Sinn. In Bezug auf Web Usability und Web Application Usability sind beide Methoden erst in der Kombination richtig stark. Eyetracking-Analysen verraten uns, was Nutzer wahrgenommen, gesehen, überflogen, gelesen haben, was sie ignorierten oder für unwichtig hielten. Wir erfahren, was ihre Aufmerksamkeit erregt hat, sehen, was für sie von Interesse war.

Mousetracking erst mit Eyetracking richtig stark

Die darauf basierende Entscheidung zum Klick kann jedoch nur erfragt werden. Hier setzt die Mausverfolgung an. Mousetracking veranschaulicht, welche Wege die Maus zurückgelegt hat (Mousepath), auf welche Elemente die Nutzer geklickt haben (Clickspots) – und auf welche nicht. Mausverläufe und Clickspots alleine lassen noch keine Rückschlüsse auf Wahrnehmung, Motivation und erst recht nicht auf das Verhalten zu. Erst in Verbindung mit vorausgehenden Blickverläufen (Sakkaden und Fixationen) werden Klickentscheidungen nachvollziehbar und verständlich. Mit qualitativen Methoden wie beispielsweise Think-Aloud erhalten wir Einblick in das subjektive Erleben.

Vorschau Vorschau

Mousepath (links) und Clickspots (rechts): Linien visualisieren die Mausbewegung, ein runder Kreis signalisiert jeden Klick. Clickspots veranschaulichen, welche Links am häufigsten oder gar nicht angeklickt wurden.

Als Einzelmethoden zur Usability-Evaluation und -Optimierung eingesetzt, lassen Eyetracking und Mousetracking für sich allein zuviele Fragen offen. Die Kombination von Eyetracking mit Mousetracking öffnet neue Dimensionen in der Aufmerksamkeits- und Wirkungsanalyse. Aus den entstehenden Datenclustern können Zusammenhänge abgeleitet werden, die uns auf Ursachen, Wirkungen und Entscheidungen rückschließen lassen (Attention Analytics). Sowohl Navigations- und Klickentscheidungen als auch Sessionabbrüche werden nachvollziehbar und verständlich. Damit eignet sich das Verfahren insbesondere zur Design- und Prozessoptimierung, da es unter anderem diejenigen Korrelationen und Kausalketten aufspürt, die zu Nutzer-Abbrüchen führen können.

Veröffentlichung: 08/2007
Marcus Völkel

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