scoreberlin GmbH
Agentur für Usability-Beratung & Optimierung
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Ob die Gestaltung einer Website vom Betrachter als angenehm empfunden wird, ist kein Zufall. Gestaltung folgt bestimmten Gesetzen, z.B. Gesetz der Nähe und Ähnlichkeit, Figur und Grund etc. Werden diese Gesetze beachtet, entsteht intelligentes Design, das weitaus mehr kann als nur schön aussehen: Ordnen, Zusammenhänge herstellen, Orientierung schaffen und vieles mehr. Werden die Gestaltungsgesetze ignoriert, ist in der Regel das Gegenteil der Fall: Die Orientierung wird erschwert.
Natürlich lassen sich die Gestaltungsgesetze auch bewusst ins Gegenteil verkehren, um eine bestimmte Wirkung wie beispielsweise Aufmerksamkeit zu erzielen – dazu muss man sie allerdings erst einmal kennen. Bei der Analyse der Gestaltung einer Website untersuchen wir, ob die Gestaltungsgesetze sinnvoll eingesetzt wurden oder ob sie den Besucher über alle Maßen fordern.
Die Textgestaltung am Bildschirm folgt anderen Gesetzen als die Textgestaltung für Printmedien. Monitorfarben bestehen aus Licht, das direkt auf die Netzhaut strahlt. Je heller die Farben, also das Licht, desto stärker wird die Netzhaut belastet. Das Lesen am Bildschirm lässt die Augen daher schneller ermüden als das Lesen gedruckter Texte. Schriftart und -größe, Zeilenlänge und -abstand, Kontrast zwischen Text- und Hintergrundfarbe, all das untersuchen wir, um die ergonomische Qualität von Bildschirm-Texten zu beurteilen.
Es mag überraschend klingen, aber Texte in einer für das Auge optimalen Schriftgröße sind nicht jeder Zielgruppe Sache. So würden nicht wenige Designer kleinere Buchstaben zugunsten eines ästhetischeren Gesamteindrucks vorziehen, während der Kunde im Online-Shop bei dieser Schriftgröße vielleicht fluchend die Website der Konkurrenz aufsucht. Es gibt nicht die eine und wahre Textformatierung, mit der man es jedem Recht machen kann. Es gibt natürlich Richtwerte, diese können und dürfen aber – je nach Zielsetzung und Zielgruppe der Website – durchaus über- oder unterschritten werden.
Im sensorischen Gedächtnis landet zunächst einmal alles, was wir wahrnehmen. Das Fassungsvermögen des sensorischen Gedächtnisses ist zwar sehr groß, die Behaltensdauer aber sehr klein. Gerade mal 1 bis 1,5 Sekunden dauert es, bis die Informationen vergessen werden oder im Kurzzeitgedächtnis landen. In dieser Zeit sollte z.B. eine Textzeile gelesen werden können, um problemlos den Anfang der nächsten Zeile zu finden.
Im Gegensatz zum sensorischen Gedächtnis ist das Fassungsvermögen des Kurzzeitgedächtnisses gering. Bereits 1885 erforschte Hermann Ebbinghaus, dass das Kurzzeitgedächtnis ein Fassungsvermögen für etwa sieben Informationseinheiten besitzt. In der Konsequenz sollten auf einer Website alle Informationen grundsätzlich nach der Merkfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses gegliedert sein.
Websites mit viel Inhalt können diesen Anspruch in der Regel kaum erfüllen, das heißt aber noch lange nicht, dass sie schlecht nutzbar wären. Auch hier lässt sich nur im Gesamtkontext beurteilen, ob und wie gut die Website die ihr zugedachte Aufgabe erfüllen kann.
Eine Website ist aufgabenangemessen, wenn sie den Besucher dabei unterstützt, seine Aufgabe effektiv und effizient zu lösen. Die Effektivität bezeichnet die Genauigkeit und Vollständigkeit, mit der ein Besucher seine Aufgabe lösen kann. Unterstützen können ihn dabei Hilfesysteme oder verschiedene Navigationsarten, die mehrere Wege zum Ziel anbieten etc.
Die Effizienz drückt aus, wie schnell ein Besucher seine Aufgabe lösen kann. Darunter fällt auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Systems (Ladezeit, interne Suchfunktionen, Datenbankeintrag oder -abfrage etc.).
Natürlich muss auch die auf der Website verwendete Technik dazu geeignet sein, den Besucher beim Lösen seiner Aufgabe zu unterstützen. Viele Websites setzen beispielsweise eine bestimmte Technik wie Flash-Plug-In oder aktiviertes Javascript voraus, damit sie nutzbar sind. Gerade hier kann eine Wertung nur im Gesamtkontext erfolgen: Ein Besucher, der auf einer Website Action erwartet, wird sich über eine gut gemachte Flash-Animation freuen. Die gleiche Technik kann einen Besucher aber auch verärgern, z.B. auf einer Website, die sachliche Informationen vermitteln möchte, aber durch nervige Flash-Animationen die Informationsaufnahme unnötig erschwert.
Eine Website sollte unmittelbar verständlich sein. Der Besucher sollte verstehen, was sie kann, welche Informationen sie vermittelt und was sie von ihm verlangt. Dazu gehört, dass sämtliche Dialogschritte nachvollziehbar sind oder auf Anfrage erklärt werden, etwa in einer Online-Hilfe mit Hinweisen zur Bedienung. Natürlich ist diese nicht auf jeder Website erforderlich, sollte aber bei einer komplexen Internet-Präsenz mit hohem Funktionsumfang nicht fehlen. Die Verständlichkeit beginnt aber auch schon im Kleinen, beispielsweise mit aussagekräftigen Linkbezeichnungen.
Eine Website ist steuerbar, wenn der Besucher in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist. Die primären Fragen lauten in diesem Zusammenhang: Hat der Besucher eine Wahlmöglichkeit? Hat der Besucher eine Möglichkeit zur Einflussnahme? Muss er Informationen über sich ergehen lassen, um an sein Ziel zu gelangen?
Zur Steuerbarkeit gehört nicht nur das Navigationsmenü, sondern auch das Anbieten von Thumbnails (Bildvorschau, die bei Bedarf vergrößert werden kann), verschiedene Sortieroptionen, die Möglichkeit der Einflussnahme auf akustische Informationen etc.
Natürlich kann die Steuerbarkeit auch bewusst eingeschränkt werden, z.B. wenn man den Besucher linear durch Teile des Online-Angebot führen möchte. Das muss sich nicht zwangsläufig negativ auf die Usability der Website auswirken, sondern kann dieser auch zuträglich sein. Auch hier ist eine Beurteilung nur im Gesamtkontext möglich.
Eine Website sollte sich erwartungskonform verhalten. Das Dialogverhalten der Website sollte so konsistent sein, dass der Besucher seine mit der Website gesammelten Erfahrungen im Umgang mit ihr nutzen kann.
So erwartet der Besucher einer Website, dass unterstrichene Wörter Links sind. Befinden sich die Links im Navigationsmenü, wird er erwarten, dass sie ihn zu anderen Inhalten innerhalb der Website führen. Beginnt sein Browser dann stattdessen mit dem Download einer komprimierten Datei, verhält sich die Website nicht mehr vorhersehbar. Der Besucher kann seine mit dem Navigationsmenü gesammelten Erfahrungen nicht mehr nutzen. Die Website wird als unberechenbar und anstrengend empfunden (»Wer weiß, was als nächstes passiert, wenn ich einen Link anklicke?«).
Umgekehrt kann man eine Website oder Teilbereiche natürlich auch ganz bewusst nicht erwartungskonform gestalten. So wäre eine Online-Erlebniswelt keine Erlebniswelt, wenn alles vorhersehbar wäre. Aber auch hier würde ein Benutzer bei Klick auf einen E-Mail-Link erwarten, dass ihm auf irgendeine Art und Weise die Möglichkeit zur E-Mail-Kontaktaufnahme gegeben wird.
Eine Website sollte mögliche Fehlerquellen bereits im Vorfeld eliminieren oder zumindest minimieren. Fehlerhafte Eingaben des Besuchers sollten zu produktiver Hilfestellung führen – nicht zu undefinierbaren Zuständen. Der Besucher sollte trotz fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder nur mit minimalem Korrekturaufwand seine Aufgabe lösen können. Dazu gehört auch, dass Fehlermeldungen in einer verständlichen Sprache ausgegeben werden.
Eine Website sollte so gestaltet sein, dass sie Lernen ermöglicht und den Besucher dazu ermutigt. Dazu kann auch eine Online-Tour gehören, die den Besucher durch die Website führt, eine Sitemap, die die logische Struktur der Website erkennen lässt, ein einheitliches Erscheinungsbild etc.
Wenn der Besucher einer Website zum Lösen seiner Aufgabe individuelle Eingaben machen oder Einstellungen vornehmen muss, sollte die Website individualisierbar sein. So kann dem Kunden eines Online-Shops erspart werden, bei jeder Bestellung seine persönlichen Daten erneut eingeben zu müssen.
Eine Internet-Präsenz ist genau wie eine Software Schnittstelle zwischen
Mensch und Computer. Sie ermöglicht dem Besucher das Lösen bestimmter
Aufgaben, z.B. Orientierung, Informations-
oder Kontaktaufnahme etc. Sie sollte
den Besucher beim Lösen seiner Aufgaben unterstützen – nicht
behindern. Im Idealfall bereitet es ihm Freude, sich auf der Website aufzuhalten.
Wenn Ihr Website-Besucher sich rundherum wohl fühlt, ist das kein Zufall.
Entscheidend dazu beigetragen haben die Entwickler Ihrer Internet-Präsenz,
die bei ihrer Arbeit die Gesetze der menschlichen Wahrnehmung und die Kriterien
für das Design ergonomischer Benutzerschnittstellen berücksichtigt
haben.
Letztere sind sogar in einer ISO
Norm schriftlich fixiert (EN ISO 9241, Teil 10: »Grundsätze der
Dialoggestaltung«). Wir setzen diese Kriterien schon seit Jahren um:
in der Entwicklung, Optimierung und Analyse von Internet-Präsenzen.
Die hier genannten Merkmale bilden den Rahmen, in dem sich die von uns
durchgeführten Usability-Analysen bewegen. Sie werden sehr schnell
merken, dass diese kein Raster sind (und auch nicht sein können), durch
das Ihre Website passen muss.
Es gibt bei einer Usability-Analyse kein Richtig oder Falsch, kein Schwarz
oder Weiß, sondern viele feine Abstufungen dazwischen. Entscheidend
ist letztendlich, ob und wie gut die Website die ihr zugedachte Aufgabe
erfüllen kann. Das beinhaltet natürlich auch, wie gut ein Benutzer
mit der Website zurechtkommt.